Eine Berliner Frage, neu gestellt

Im Dezember 1784 erschien in der Berlinischen Monatsschrift Immanuel Kants Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei. Gut 240 Jahre später stellt sich diese Frage in Berlin neu: Was bleibt von der Aufklärung, wenn Maschinen schneller antworten, als wir fragen können? Künstliche Intelligenz verschiebt die Grundlagen künstlerischer Arbeit schneller, als unsere Regeln folgen. Wem gehört ein Werk, das aus Millionen anderer Werke gelernt hat? Und was wird aus einer Öffentlichkeit, in der Texte, Bilder und Stimmen beliebig herstellbar sind?

The Common Ground im Grunewald

Unter diesem Titel kamen am 25. September Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Europäischen Akademie Berlin zusammen, gemeinsam gestaltet mit der Schweizerischen Botschaft in Berlin und dem Österreichischen Kulturforum Berlin. Der Berliner Architekturtheoretiker Anh-Linh Ngo, Herausgeber von ARCH+, setzte mit seiner Keynote den Ton: genau, ohne Pathos und gerade deshalb bewegend. Im anschließenden Gespräch diskutierten Carine Bachmann und Sepp Schellhorn, moderiert von Christoph Thun-Hohenstein. Unter den Gästen waren auch die Botschafterin des Fürstentums Liechtenstein und der Botschafter Nordmazedoniens, und so reichte der Austausch weit über den deutschsprachigen Raum hinaus.

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Unsere Fragen

Kant hat seine Antwort auf die Frage nach der Aufklärung in einer Berliner Zeitschrift gegeben, und sie gilt noch immer. Maschinen können uns Antworten abnehmen, die Fragen nicht. Ich empfinde das nicht als Last, sondern als die schönste Freiheit, die wir haben. Ich bin an diesem Nachmittag nachdenklich und zugleich hoffnungsfroh nach Hause gegangen.

Dr. Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin

Räume für Widerspruch

Meinungsfreiheit lebt nicht allein vom Recht zu sprechen, sondern von der Bereitschaft zuzuhören und sich überzeugen zu lassen. In den Berliner Salons von Henriette Herz und Rahel Varnhagen wurde das einst geübt. Solche Räume der Begegnung zu schaffen, ist seit 1963 die Aufgabe der EAB, im Haus am Grunewald wie mit Partnern in ganz Europa. Drei Länder, eine Sprache, drei Traditionen: Das ist kein Nachteil, sondern ein Prüffeld dafür, was über Grenzen trägt. Die Aufklärung war nie ein nationales Projekt.

Wie es weitergeht

Das Gespräch soll fortgesetzt werden. Wer dabei sein möchte, findet unser Programm auf eab-berlin.eu und kann über den Newsletter von kommenden Formaten erfahren.

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