Die Europäische Akademie Berlin hat am 13. Mai 2026 Botschafter Damir Arnaut, den außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter von Bosnien und Herzegowina in Deutschland, zu einem Frühstücksgespräch empfangen. Im Mittelpunkt standen der EU-Integrationsprozess des Landes und – auf ausdrücklichen Wunsch des Botschafters – die Frage, welche Rolle Erinnerungskultur für eine europäische Zukunft spielen kann.

Ein Diplomat mit europäischem Profil

Damir Arnaut ist promovierter Jurist, ausgezeichnet mit dem Haas International Award der UC Berkeley, und seit August 2023 Botschafter seines Landes in Berlin. Zuvor war er Abgeordneter der Parlamentarischen Versammlung von Bosnien und Herzegowina und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates; als Anwalt errang er vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einen wegweisenden Erfolg in einem Diskriminierungsfall aufgrund ethnischer Zugehörigkeit. Er tritt öffentlich als überzeugter Europäer auf – und bringt dabei eine persönliche Vertrautheit mit dem Gewicht der Geschichte mit, die das Gespräch von Beginn an prägte.

Sarajevo, Srebrenica und die Frage der deutschen Verantwortung

Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte Botschafter Arnaut beim Thema Erinnerungskultur. Das Gespräch berührte die Geschichte Sarajevos als einstmals bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens auf dem Balkan – und die Verbrechen der deutschen Besatzung, die diese Gemeinschaft nahezu vollständig auslöschten. Es ging aber auch um Srebrenica: das Massaker von 1995, das als schwerste Massengewalt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte eingegangen ist und dessen Aufarbeitung bis heute eine offene gesellschaftliche und politische Wunde bleibt. Deutschland, so der gemeinsame Ausgangspunkt des Gesprächs, hat durch Jahrzehnte institutionalisierter Erinnerungsarbeit Erfahrungen gesammelt, die für die Westbalkan-Region von Bedeutung sein könnten – nicht als Modell, sondern als Gesprächsangebot.

Bildung als Brücke

Die EAB stellte in diesem Zusammenhang eigene Formate vor, die an diese Fragen anknüpfen: den Videowettbewerb „Nie wieder“, das digitale Erinnerungsprojekt Digital Lines und Peace Line – ein Format mit besonderem Fokus auf Nachkriegsgesellschaften. Alle drei Projekte sind methodisch auf andere Regionen übertragbar und könnten perspektivisch eine Verbindung mit Bosnien und Herzegowina eingehen. Auch der geplante Parlamentarische Abend Westbalkan wurde als möglicher gemeinsamer Rahmen besprochen.

Ein Gespräch, das weitergeht

Bosnien und Herzegowina hat den EU-Kandidatenstatus seit Dezember 2022; die Reformagenda bleibt anspruchsvoll. Botschafter Arnaut bringt in dieser Konstellation eine seltene Kombination mit: juristische Präzision, parlamentarische Erfahrung und ein persönliches Engagement für Erinnerung als politisches Projekt. Die EAB sieht in diesem Gespräch den Beginn einer belastbaren Zusammenarbeit – an der Schnittstelle von europäischer Integration, historischer Verantwortung und zivilgesellschaftlichem Bildungsauftrag.

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