Erinnerung als Brücke: Berlin und seine Partnerstädte im Osten

Fast 200 Gäste kamen am Montagabend, den 31. August 2026, in den Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin, um mit uns die Ausstellung „Jamim mikedem – Erinnerungen an das jüdische Leben in Ostmitteleuropa“ zu eröffnen. Die Europäische Akademie Berlin verantwortete und moderierte das Podiumsgespräch und rückte die Schau in einen Zusammenhang, der uns besonders am Herzen liegt: die Städtepartnerschaften Berlins mit Mittel- und Osteuropa.

Eine Welt vor 1939, aufgehoben auf Ansichtskarten

Gezeigt werden historische Ansichtskarten aus der über Jahrzehnte gewachsenen Privatsammlung von František Bányai, die erstmals im Jahr 2000 im Jüdischen Museum in Prag zu sehen war. Die Karten erzählen von einer Welt vor 1939, von Synagogen, vom Alltag, von Festen und Feiertagen, von Orten und Begegnungen in einer Region, die einmal selbstverständlich jüdisches Leben trug. Der hebräische Titel „Jamim mikedem“ bedeutet vergangene Tage. Diese Tage sind auf den Karten aufgehoben, festgehalten und bewahrt, ehe die Shoa diese Welt beinahe spurlos auslöschte.

Ein Abend im Parlament

Gastgeberin des Abends war Cornelia Seibeld, Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin. Als Schirmherr setzte Botschafter Jiří Čistecký, Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland, den wesentlichen Impuls aus Prag. Dass das Berliner Parlament wenige Wochen vor den Wahlen seine Türen für die Erinnerung öffnet, ist ein starkes Zeichen. Als Ehrengast war der Sammler František Bányai selbst zugegen und wurde von der Präsidentin persönlich begrüßt.

Das Podium: der Blick nach hinten und nach vorne

Das Podiumsgespräch „Das Leben vor dem Ende. Jüdisches Mitteleuropa im Bild“ verband die historische mit der gegenwärtigen Perspektive. Botschafter Čistecký spannte den Bogen von der gemeinsamen Geschichte zur Zukunft der Städtepartnerschaften Berlins in dieser Region. Die Historikerinnen Dr. Anja Siegemund (Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum) und Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach (Europa-Universität Viadrina) warfen einen doppelten Blick auf die Karten: auf das, was heute anders ist, und auf das, was heute gleich geblieben ist. Und die anwesenden Schulgruppen stellten ihre Fragen, unmittelbar und neugierig. Dass junge Menschen hinsehen, war der schönste Beweis dafür, dass Erinnerung Gegenwart ist.

Warum diese Ausstellung nach Berlin gehört

Genau hier liegt der Grund, warum diese Ausstellung an diesem Ort richtig aufgehoben ist. Berlin selbst ist auf den Karten nicht zu sehen, und doch gehört diese ostmitteleuropäische Erinnerung nach Berlin. Denn sie berührt das Fundament, auf dem die Partnerschaften der Stadt mit ihren Nachbarn im Osten Europas ruhen. Die Europäische Akademie Berlin begleitet diese Städtepartnerschaften und den Austausch Berlins mit Mittel- und Osteuropa als einen ihrer Arbeitsschwerpunkte, gefördert durch das Land Berlin. Erinnerungskultur und lebendige Städtepartnerschaft sind für uns keine getrennten Felder, sondern zwei Seiten derselben europäischen Aufgabe.

Stimme zum Abend

Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin, der den Abend moderierte, sagte: „Erinnerung ist nicht nur Rückschau. Wer an einem Montagabend gemeinsam nach hinten und nach vorne schaut, erkennt, worauf die Partnerschaften Berlins mit den Städten im Osten Europas ruhen: auf einer geteilten Geschichte und dem Willen, aus ihr gemeinsam Zukunft zu gestalten. Diese Ausstellung macht eine Welt sichtbar, die verloren schien, und erinnert uns daran, wie viel uns mit unseren Nachbarn verbindet.“

Dank

Unser herzlicher Dank gilt der Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld, dem Botschafter der Tschechischen Republik, Jiří Čistecký, dem Sammler František Bányai sowie allen rund 200 Gästen, die dabei waren. Wir danken den Teams des Abgeordnetenhauses, der Tschechischen Botschaft und der Europäischen Akademie Berlin, die diesen Abend möglich gemacht haben, und ausdrücklich den Schülerinnen und Schülern, die mit ihren Fragen den Abend bereichert haben.

Ausstellung und weitere Informationen

Die Ausstellung „Jamim mikedem“ ist noch bis zum 11. September 2026 in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses von Berlin zu sehen. Weitere Ansichtskarten und Hintergründe zur Sammlung finden Sie unter https://judaica.cz/.

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