21.01.2026
Civic Futures: Japan–Deutschland im Dialog
Wie hält man demokratische Debatten offen, wenn Polarisierung zunimmt? Mit Civic Futures bauen wir eine neue Brücke nach Japan – gemeinsam mit starken Partnern in Berlin, Tokio und Hiroshima.

Demokratie lernen, Beteiligung stärken
Wenn es in Berlin morgens noch still ist, beginnt in Tokio längst der Tag – acht Stunden Zeitverschiebung, aber erstaunlich ähnliche Fragen: Wie bleiben Gesellschaften gesprächsfähig? Wie gelingt politische Bildung, wenn Desinformation, Erregung und Extrempositionen lauter werden? Und wie stärkt man Beteiligung junger Menschen, ohne die Räume des Miteinanders zu verlieren?
Mit unserem neuen Japan-Projekt „Civic Futures: A Japanese–German Dialogue on Democracy and Participation“ gehen wir als Europäische Akademie Berlin den nächsten Schritt: Wir erweitern unsere internationale Arbeit bewusst über Europa hinaus – dorthin, wo stabile Partnerschaften und vernünftige Gespräche nicht weniger nötig sind, sondern vielleicht sogar besonders lehrreich.
Warum Japan – nah und fremd zugleich
Japan ist eine ostasiatische Demokratie, die vielen in Europa zugleich vertraut und rätselhaft erscheint: wirtschaftlich eng verbunden, politisch stabil – und doch kulturell, historisch und in den Bildungsdebatten anders geprägt. Genau diese Mischung macht Japan für uns so spannend: Nah genug für echten Austausch, fremd genug für neue Perspektiven.
Im Geleit von politischer Bildung und Citizenship Education spannen wir dabei einen Rahmen, der mehr ist als ein Studienbesuch: Wir wollen Brücken schlagen, die nötig sind, damit Menschen einander nicht nur „kennen“, sondern einander verstehen lernen – zwischen Berlin und Tokio, aber auch zwischen europäischen und japanischen Praktikerinnen und Praktikern aus Schule, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Bildungsarbeit.
Worum es im Kern geht: konstruktive Mitte gegen destruktive Extreme
In vielen Demokratien beobachten wir, wie Debattenräume enger werden: nicht nur durch harte Kontroversen – die gehören dazu –, sondern durch rein destruktive Taktiken, die Gesprächsräume blockieren. Civic Futures setzt dem etwas Praktisches entgegen: Formate, in denen die konstruktive Mitte sichtbar bleibt und handlungsfähig wird.
Ein Schwerpunkt ist dabei die Frage, wie politische Bildung offen, plural und zugleich klar demokratisch bleibt – inklusive der Diskussion um „politische Neutralität“ im Unterricht und in der Bildungsarbeit.
Demokratie ist kein Zustand, den man verwaltet – sie lebt davon, dass Menschen streiten können, ohne einander zu entmenschlichen. Genau dafür bauen wir mit Civic Futures neue Räume: über Grenzen hinweg, praktisch, respektvoll und mit Blick auf junge Menschen.
Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin
Partner (Auswahl)
Das Projekt entsteht als Kooperation mehrerer Akteure aus Deutschland und Japan – mit starkem Berlin-Bezug und klarer Anbindung an Praxisfelder der politischen Bildung:
Deutschland
- Europäische Akademie Berlin (EAB)
- Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB)
- Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin (JDZB) (neu dabei): https://jdzb.de/
Japan
- Japan Youth Council (JYC) / Vote at Chuo!! (Chuo University)
- Japan Citizenship Education Forum (J-CEF)
- Shiraume Gakuen University – Institute of Child Studies
- Hiroshima University
- Democracy Museum (Tokyo)
Was passiert konkret?
Geplant ist eine Programmlinie mit Stationen in Hiroshima und Tokio (Frühjahr 2026) – darunter Schul- und Praxisbesuche, Workshops und öffentliche Formate mit Lehrkräften, Studierenden und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Im Anschluss folgt eine digitale Reflexion und ein Transfer in europäische Netzwerke, u. a. im Umfeld von NECE/bpb.
Ein wichtiges Ziel: Erkenntnisse nicht im kleinen Kreis zu belassen, sondern sichtbar zu machen – etwa durch einen zweisprachigen Ergebnistransfer und eine gemeinsame Auswertung in Berlin.
Warum das zur EAB passt
Europa bleibt unser Kern. Aber wer heute Demokratiebildung ernst nimmt, muss auch dort zuhören und lernen, wo andere Demokratien mit ähnlichen Spannungen ringen – und eigene Antworten gefunden haben. Civic Futures ist deshalb ein weiterer Baustein unserer internationalen Kooperationen: pragmatisch, partnerschaftlich, dialogorientiert – und mit der klaren Überzeugung, dass Zukunft nur mit mehr Gesprächsfähigkeit gewinnt.

Vortrags- und Studienreise, März 2026
Partner
Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten