12.06.2026
Bye-bye Britain? Zehn Jahre Brexit – und der Blick nach vorn
Ein amtierender Botschafter, drei Perspektiven und über 100 Gäste aus Berlin, Europa und der Welt. Zehn Jahre nach dem Brexit fragte die EAB nicht, wer recht hatte, sondern was jetzt kommt. Und am Ende durfte das Publikum selbst ans Mikrofon.

Ein Botschafter, ein Bruch und die Frage nach dem Danach
Zehn Jahre nach dem Referendum saß der britische Botschafter in der Europäischen Akademie Berlin und sprach über eine Trennung, die bis heute nachwirkt. Als im Juni 2016 eine knappe Mehrheit für „Leave“ stimmte, hielten viele es zunächst für einen Unfall. Heute ist klar: Der Brexit war eine demokratische Entscheidung mit Folgen – für Großbritannien, für die EU und für das Verhältnis zwischen beiden. Am vergangenen Mittwoch nahm sich die EAB im Rahmen der Reihe „Europa im Gespräch“ die Zeit, diesen Einschnitt nicht zu beklagen, sondern zu verstehen.
Drei Perspektiven, ein offenes Gespräch
Auf dem Podium trafen Diplomatie, Wissenschaft und Wirtschaft aufeinander: S. E. Andrew Mitchell, Britischer Botschafter in Deutschland, die Politikwissenschaftlerin und Großbritannien-Expertin Dr. Birgit Bujard sowie Klemens Kober, der bei der DIHK in Brüssel die Handelspolitik verantwortet. Durch den Abend führte Mirjam Meinhardt vom rbb24 Inforadio. Die Diskussion war breit angelegt und blieb dabei konkret – vom Alltag der Handelsbeziehungen über die innenpolitische Dynamik in London bis zur Frage, was bilaterale Freundschaftsverträge heute noch leisten können.
Unterschiedlich erinnert, gemeinsam gedacht
Im Rückblick fiel das Urteil differenziert aus. Botschafter Mitchell, Dr. Bujard und Klemens Kober waren sich einig, dass vieles, was die Britinnen und Briten in diesen Jahren erlebten, im übrigen Europa längst nicht überall gleich wahrgenommen wurde. Der Brexit hat eben nicht nur eine Trennungsgeschichte, sondern viele Lesarten. Bemerkenswert war, worin sich die drei dann doch trafen: im Blick nach vorn. So unterschiedlich die Erinnerungen, so klar zeichnete sich eine gemeinsame Zukunft ab – und ein Weg, der dorthin führen kann.
Das Privileg des persönlichen Kontakts
Was diesen Abend besonders machte, kam zum Schluss. Über 30 Minuten lang gehörte das Wort dem Publikum. Mehr als 100 Gäste aus Berlin, Europa und der Welt nutzten die Gelegenheit, nachzufragen, zu widersprechen und eigene Erfahrungen einzubringen – direkt, im selben Raum, im Gespräch mit einem amtierenden Botschafter. Genau dieses Privileg des persönlichen Kontakts unterscheidet einen Abend in der Europavilla von jeder Schlagzeile: Hier wird Europa nicht konsumiert, sondern verhandelt. Im Anschluss setzte ein Empfang die Gespräche in informeller Runde fort.
Nachhören und nachschauen
Die Veranstaltung wurde für die Sendereihe „Forum“ des rbb24 Inforadio aufgezeichnet – ermöglicht durch die Förderung des Auswärtigen Amts und die Unterstützung der Deutsch-Britischen Gesellschaft. Die Sendung ist über ARD Sounds abrufbar und läuft am kommenden Sonntag im rbb24 Inforadio.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten
„An diesem Abend habe ich gespürt, wie unterschiedlich wir denselben Bruch erinnern – und wie ähnlich wir auf das blicken, was kommt. Genau dafür gibt es die EAB: einen Ort, an dem ein britischer Botschafter, eine Wissenschaftlerin und ein Wirtschaftsvertreter nicht aneinander vorbei-, sondern miteinander reden. Europa entsteht nicht aus Einigkeit über die Vergangenheit, sondern aus dem Willen, gemeinsam weiterzugehen.“
Dr. Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin












