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Quellen statt Mythen: Mit Archiven sprechen, NS-Unrecht aktiv verstehen und vermitteln

Wer wurde im NS-Regime als „asozial" verfolgt? Wessen Geschichten fehlen bis heute in unserer Erinnerungskultur? Das Projekt „Quellen statt Mythen“ bringt junge Menschen mit echten Archivquellen ins Gespräch und entwickelt dazu einen KI-Assistenten, der verlässliche Recherche zum NS-Unrecht ermöglicht.

In der deutschen Erinnerungskultur bleiben bestimmte NS-Verfolgtengruppen bis heute unterrepräsentiert, allen voran als „asozial“ stigmatisierte Menschen und Menschen mit Behinderungen, die Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Verbrechen ausgesetzt waren. Zugleich verbreiten sich in digitalen Räumen zunehmend verkürzte Deutungen und Falschinformationen, auch durch KI. Quellen statt Mythen setzt genau hier an.

Fürsorgeakten, Polizeiregister, Gerichtsunterlagen, Klinikakten. Die Belege für das NS-Unrecht liegen in Archiven und Gedenkstätten, sind für junge Menschen aber oft schwer zugänglich. Quellen statt Mythen macht sie erfahrbar: In mehrtägigen Recherche-Labs arbeiten junge Teilnehmende direkt mit historischen Originalquellen, besuchen historische Orte in Berlin und Brandenburg, entwickeln eigene Fragestellungen und lernen, Aussagen quellenkritisch zu prüfen statt unhinterfragt zu übernehmen.

Herzstück des Projekts ist eine RAG-basierte Webapp, die ausschließlich auf Basis von geprüften, rechtlich geklärten und kontextualisierten Quellen antwortet. Sie ordnet historische Begriffe ein, statt sie unkommentiert zu reproduzieren, und schafft so einen niedrigschwelligen, mythenfreien Zugang zur Geschichte des NS-Unrechts. Die Teilnehmenden der Recherche-Labs speisen eigene Fragen, Quellen und Perspektiven in die Webapp ein und wirken aktiv an ihrer Weiterentwicklung mit.

Begleitend vermitteln bundesweite Fortbildungen Lehrkräften und Multiplikator:innen, wie sie die Webapp und das Recherche-Lab-Format in ihre eigene Bildungsarbeit übertragen können. Ein externer Beirat mit wissenschaftlicher, didaktischer und nachfahrenbezogener Expertise begleitet Auswahl, Bearbeitung und Veröffentlichung aller Inhalte.

Das Angebot richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 35. Wir möchten junge Menschen unabhängig von ihrem Bildungsweg und ihrer aktuellen Lebenssituation erreichen – ganz gleich, ob sie zur Schule gehen, eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren, sich in einem Freiwilligendienst engagieren oder Angebote der außerschulischen Jugendbildung wahrnehmen.

Ebenso adressiert sind Lehrkräfte und Multiplikator:innen, die quellenbasierte Materialien und neue, innovative Methoden für ihre eigene Arbeit suchen.

Die Recherche-Labs finden in Berlin statt, Teilnehmende werden bundesweit rekrutiert. Reise- und Unterkunftskosten werden im Rahmen des Projekts übernommen. Die Webapp sowie eine begleitende Handreichung stehen anschließend dauerhaft und frei zugänglich online zur Verfügung.

Laufzeit: Juli 2026 bis Juni 2028

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.

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Studienleitung