15.07.2026
Von Pristina aus gesehen
Es gibt Staaten, deren Alter man noch in einzelnen Jahren zählt. Der Kosovo ist so einer. Im Februar dieses Jahres ist er achtzehn geworden, und im Roten Rathaus, wo dieser Geburtstag begangen wurde, fiel das schöne, ernste Wort von der Volljährigkeit: erwachsen zu sein heiße vor allem, Verantwortung zu übernehmen. Es ist ein junger Staat mit einem noch jüngeren Volk — mehr als die Hälfte der Menschen dort ist keine dreißig Jahre alt. Ein Land, das in sechzehn Monaten dreimal an die Wahlurnen gerufen wurde und dessen Parlament in diesen Wochen erneut um seine Konstituierung ringt. Wer den Zustand der europäischen Demokratie verstehen will, ihre Zähigkeit und ihre Erschöpfung zugleich, findet dort ein Lehrstück.

Es gibt Staaten, deren Alter man noch in einzelnen Jahren zählt. Der Kosovo ist so einer. Im Februar dieses Jahres ist er achtzehn geworden, und im Roten Rathaus, wo dieser Geburtstag begangen wurde, fiel das schöne, ernste Wort von der Volljährigkeit: erwachsen zu sein heiße vor allem, Verantwortung zu übernehmen. Es ist ein junger Staat mit einem noch jüngeren Volk — mehr als die Hälfte der Menschen dort ist keine dreißig Jahre alt. Ein Land, das in sechzehn Monaten dreimal an die Wahlurnen gerufen wurde und dessen Parlament in diesen Wochen erneut um seine Konstituierung ringt. Wer den Zustand der europäischen Demokratie verstehen will, ihre Zähigkeit und ihre Erschöpfung zugleich, findet dort ein Lehrstück.
An diesem Nachmittag war dieses Land zu Gast in der Bismarckallee. Nicht zum ersten Mal.
Ein Botschafter, der seinen Gegenstand erforscht hat
S. E. Dr. Faruk Ajeti vertritt die Republik Kosovo seit Dezember 2021 in Deutschland und gehört damit inzwischen zu den dienstältesten Mitgliedern des Berliner Korps. Geboren 1983 in Gjilan, promoviert an der Universität Wien mit einer Arbeit über die österreichische Kosovopolitik der Jahre 1986 bis 1999, danach Gastwissenschaftler an der Johns Hopkins University in Washington. Er ist zugleich in Kopenhagen akkreditiert. Und er spricht ein Deutsch, das keinen Dolmetscher braucht.
Es ist eine Konstellation, die wir an der Akademie schätzen: ein Diplomat, der die Geschichte seines eigenen Landes nicht nur vertritt, sondern erforscht hat. Solche Gespräche haben eine andere Temperatur. Sie kommen schneller zur Sache und bleiben länger bei ihr.
Berlin und Pristina
Zwischen Deutschland und dem Kosovo liegt eine Beziehung, die älter ist als der Staat selbst. Anfang der neunziger Jahre war es die Bundesrepublik, die der kosovarischen Exilregierung erlaubte, auf ihrem Boden zu arbeiten — als einziges Land Europas. Deutschland gehörte 2008 zu den ersten Staaten, die die Unabhängigkeit anerkannten. Heute ist es wichtigster Handelspartner und größter Investor. Über eine halbe Million Menschen kosovarischer Herkunft leben hier, und die größte diplomatische Präsenz, die der Kosovo weltweit unterhält, ist die in Deutschland.
Das ist kein Nebenschauplatz. Das ist, von Pristina aus gesehen, die Hauptbühne.
Worüber gesprochen wurde
Das Gespräch galt zwei konkreten Vorhaben. Zum einen einem Breakfast Briefing zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit — einem Format, das an der Akademie dann am besten funktioniert, wenn es nicht bei Begriffen bleibt, sondern beim Fall. Zum anderen einer Veranstaltung im November, mit der wir den Blick auf den westlichen Balkan richten wollen, gemeinsam mit möglichst vielen Botschaften der Region.
[HIER NACH DEM GESPRÄCH ERGÄNZEN: konkrete Verabredungen, Termine, Formatentscheidungen]
„Der westliche Balkan ist keine Randnotiz der europäischen Geschichte, sondern ihre Probe aufs Exempel“, sagte Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin. „Was dort gelingt oder misslingt, entscheidet mit darüber, ob dieser Kontinent seine Versprechen einlösen kann. Es ist mir eine Freude, dass die Verbindungen zu den Ländern der Region hier an der Akademie in diesem Jahr so gewachsen sind — zum nordmazedonischen Botschafter, und nun wieder zum kosovarischen.“
Es war nicht der erste Besuch von Botschafter Ajeti in der Bismarckallee. Im November 2024 war er schon einmal hier. Dass wir uns nun wiedersehen, um nicht über Absichten, sondern über Termine zu sprechen, ist genau die Art von Fortschritt, die diese Arbeit ausmacht.
Wir öffnen Türen. Wir stellen Stühle bereit. Häufig kommt jemand ein zweites Mal.


