19.05.2026
Tschechien und Bayern — eine Beziehung mit Substanz
Das kommende Pfingstwochenende bringt den Sudetendeutschen Tag erstmals nach Brünn — getragen von tschechischer Zivilgesellschaft. Über solche Brücken sprach Christian Johann mit dem Europaausschuss des Bayerischen Landtags. Gemeinsam mit Dr. Linn Selle von der DGAP.

Christian Johann und Linn Selle im Impulsgespräch mit dem Europaausschuss des Bayerischen Landtags
Am 18. Mai war Christian Johann zu Gast beim Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie regionale Beziehungen des Bayerischen Landtags in der Bayerischen Vertretung Berlin. Gemeinsam mit Dr. Linn Selle, Alfred-von-Oppenheim-Leiterin des Europa-Zentrums der DGAP, gab er einen Impuls vor einem Gremium, das erst kürzlich selbst in Prag war — und das mit einer Tiefe nachfragte, die parlamentarische Europapolitik in ihrer besten Form zeigt.
Tschechien als europäischer Sicherheitsakteur
Drei Schwerpunkte standen im Zentrum. Erstens: die sicherheitspolitische Bedeutung Tschechiens, die in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen ist — mit einer Munitionsinitiative, die bislang 4,4 Millionen Schuss Artilleriemunition in die Ukraine geliefert hat, und einer Industrie, die international stark vernetzt ist. Zweitens: die Vielschichtigkeit der tschechischen Innenpolitik, die sich nicht auf eine einzelne Stimme reduzieren lässt. Drittens: das Potenzial, das in den bayerisch-tschechischen Beziehungen liegt — getragen von Grenzregionen, Städtepartnerschaften, Kulturkontakten und nicht zuletzt einer engagierten Zivilgesellschaft auf beiden Seiten.
„Tschechien hat seine eigene Dynamik — und diese Dynamik trägt nach Westen“, so Johann in seinem Impuls. „Unsere Aufgabe als Zivilgesellschaft ist es, die Brücken zu pflegen, die in jeder politischen Wetterlage tragen müssen.“
Brünn 2026: Ein historisches Pfingsten
Ein konkretes Bild für diese Brückenarbeit liefert das kommende Pfingstwochenende: Erstmals findet der Sudetendeutsche Tag in Tschechien statt, in Brünn, auf Einladung tschechischer Künstler und Intellektueller. Achtzig Jahre nach Kriegsende. Ein Zeichen der Versöhnung, getragen von zivilgesellschaftlichen Initiativen wie dem Festival Meeting Brno — und ein Beleg dafür, dass die wichtigsten europäischen Beziehungen nicht in Regierungserklärungen entstehen, sondern in jahrzehntelanger Arbeit dazwischen.
Die EAB als überparteilicher Mittler
Die EAB versteht sich als überparteilicher Mittler in diesem Feld. Sie arbeitet eng mit Partnern in Tschechien und in Ungarn, mit Polen und Frankreich, mit dem Westbalkan und den baltischen Staaten. Was an diesem Nachmittag in Berlin deutlich wurde: Substanzarbeit braucht aufmerksame Gesprächspartner. Im Bayerischen Landtag hat sie solche gefunden.