08.05.2026
Gespräch mit Botschafter Gökhan Turan: Die Türkei und Europa im Dialog
Botschafter Gökhan Turan, seit Anfang 2025 Botschafter der Republik Türkiye in Deutschland, war zu Gast in der Europäischen Akademie Berlin. Im Gespräch standen Sicherheit, die Zukunft der türkisch-europäischen Beziehungen und die Perspektiven einer vertieften Zusammenarbeit.

Die Europäische Akademie Berlin hat am 8. Mai 2026 Botschafter Gökhan Turan, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Türkiye in der Bundesrepublik Deutschland, zu einem Gespräch empfangen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur, die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union sowie Perspektiven der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit.
Ein Diplomat mit tiefen Deutschlandbezügen
Botschafter Turan ist kein Unbekannter in Deutschland. Er besuchte die Grundschule und das Gymnasium in Duisburg, bevor er seine Ausbildung im deutschsprachigen Zug des Ankara Anadolu Gymnasiums fortsetzte. Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen an der Universität Ankara und einem Master an der Middle East Technical University trat er 1992 in den diplomatischen Dienst ein. Seine Karriere führte ihn nach Almaty, Stuttgart, Warschau und zweimal nach Moskau; zuletzt war er als Generaldirektor für Osteuropa, Südkaukasus und Zentralasien im Außenministerium tätig, bevor er im Januar 2025 nach Berlin berufen wurde. Er spricht Deutsch, Englisch und Russisch.
Sicherheit, Europa und Zentralasien
Das Gespräch war geprägt von der geopolitischen Komplexität des Moments. Die Türkei ist NATO-Mitglied, EU-Beitrittskandidat und zugleich ein eigenständiger strategischer Akteur — eine Kombination, die sie zu einem unverzichtbaren Gesprächspartner für jede Institution macht, die europäische Politik ernst nimmt. Thematisch berührte der Austausch Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur, den Stand der türkisch-europäischen Beziehungen sowie die wachsende Bedeutung des zentralasiatischen Raums — einem Themenfeld, in dem Botschafter Turan aufgrund seiner langjährigen Expertise besondere Tiefe einbrachte.
Gemeinsame Geschichte, neue Impulse
Für die EAB knüpft der Besuch an eine langjährige Beziehung zur türkischen Botschaft an. Bereits mit Botschafter Ahmet Başar Şen verbanden die Akademie regelmäßige Hintergrundgespräche; das Frühstück mit Botschafter Turan markiert den Beginn eines erneuerten Austauschs. Hinzu kommt eine substanzielle institutionelle Vorgeschichte: Mit dem likeminds-Programm — einem mehrjährigen deutsch-türkischen Nachwuchsprogramm in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und dem Istanbul Policy Center — hat die EAB die zivilgesellschaftliche Dimension dieser Partnerschaft über viele Jahre aktiv gestaltet.
Geopolitische Stabilität
„Die Türkei ist für Europa kein Randthema — sie ist ein zentraler Partner in einer Zeit, in der geopolitische Stabilität neu verhandelt wird. Resilienz und Sicherheit gehören derzeit zu den strategischen Schwerpunkten der Europäischen Akademie Berlin. Das Gespräch mit Botschafter Turan hat uns darin bestärkt, diese Themen gemeinsam und auf Augenhöhe weiterzudenken.“
Christian Johann, Direktor der Europäischen Akademie Berlin
Auf dem Weg zu vertiefter Zusammenarbeit
Beide Seiten haben Interesse an einer Fortsetzung und Vertiefung des Austauschs bekundet. Die EAB sieht in der Türkei einen Partner, der für ihre thematische Arbeit an der Schnittstelle von europäischer Integration, Sicherheitspolitik und zivilgesellschaftlichem Dialog von besonderer Bedeutung ist. Konkrete Formate der Zusammenarbeit sollen in den kommenden Monaten entwickelt werden.
