Rückblick auf eine besondere europäische Abendveranstaltung in der Botschaft des Königreichs Spanien

Zum Abschluss eines europäischen Jahres der Meisterklasse lud die Botschaft des Königreichs Spanien gemeinsam mit der Europäischen Akademie Berlin zu einer Diskussion ein, die einen seltenen Spagat schaffte: den Blick zurück auf vier Jahrzehnte spanischer EU-Mitgliedschaft – und gleichzeitig den Fokus nach vorn auf die Herausforderungen der nächsten Jahre.

Die Köpfe auf dem Podium

Vier sehr unterschiedliche Biografien machten an diesem Abend sichtbar, wie breit Spaniens Beitrag zur EU und wie eng die Verbindung nach Deutschland ist:

  • Joaquín Almunia
    Als ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung sowie Wettbewerb zählt Joaquín Almunia zu den prägenden sozialdemokratischen Stimmen der europäischen Integration. In der Diskussion verband er Rückblicke auf die Zeit des spanischen EU-Beitritts mit klaren Botschaften zur heutigen Handlungsfähigkeit Europas – von sozialem Ausgleich bis zur strategischen Rolle der EU in einer fragmentierten Weltordnung.
  • Prof. Dr. Mariola Urrea Corres
    Die Juristin und Professorin für Völkerrecht und Europarecht an der Universität La Rioja ist zugleich gefragte Analytikerin der europäischen Politik in Radio und Presse (u. a. El País, Cadena SER). Sie brachte die Perspektive einer spanischen Europa-Expertin ein, die rechtliche Architektur, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU und gesellschaftliche Debatten zusammendenkt – von der „Next Generation EU“-Agenda bis zu den Belastungsproben für europäische Demokratien.
  • Botschafterin Catalina Cullas
    Als Beauftragte des Auswärtigen Amts für die Beziehungen zu den EU-Mitgliedstaaten sowie für grenzüberschreitende und regionale Zusammenarbeit steht Catalina Cullas an einer zentralen Schnittstelle deutscher Europapolitik. Ihre Beiträge zeigten, wie sehr Europas Stärke heute von funktionierenden Partnerschaften abhängt – zwischen Hauptstädten, Regionen und Nachbarn –, und warum Deutschland auf Spaniens Rolle in Süd- und Osteuropa gleichermaßen setzt.
  • Bernd Hüttemann
    Der Generalsekretär der Europäischen Bewegung Deutschland ist einer der bestvernetzten Europapolitik-Beobachter in Berlin und seit vielen Jahren Brückenbauer zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung. In der Diskussion machte er deutlich, wie wichtig es ist, europäische Entscheidungen für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar zu machen – und welche Chancen in der engen Kooperation zwischen spanischen und deutschen Akteuren auf allen Ebenen liegen.

Die Runde zeichnete ein klares Bild: Spaniens Beitrag zur europäischen Integration ist nicht nur historisch prägend, sondern heute unverzichtbar. Entlang der Fragen der europäischen Außenbeziehungen, der wirtschaftlichen und geopolitischen Verflechtung und der gemeinsamen Sicherheitsinteressen wurde deutlich, wie eng Spanien und Deutschland miteinander verzahnt sind – und welche Chancen dieser Schulterschluss für die Zukunft Europas birgt.

Drei Linien zogen sich durch das Gespräch:

  • Vergangenheit als Fundament: Der spanische EU-Beitritt 1986 war ein europäischer Neustart mit gewaltiger Strahlkraft – wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich. Die Panelistinnen und Panelisten betonten, wie sehr dieser Schritt Spanien geprägt und gleichzeitig Europa bereichert hat.
  • Gegenwart als Gestaltungsraum: Ob Mercosur, die südliche Nachbarschaft oder die Erwartungen an eine aktivere Rolle Spaniens an der östlichen NATO-Flanke – die Diskussion zeigte, wie breit das gemeinsame Spielfeld ist. Spanien bringt Erfahrungen und Beziehungen im globalen Süden ein, Deutschland drängt auf noch mehr Engagement im Osten. Kein Widerspruch, sondern Ergänzung.
  • Zukunft als gemeinsame Aufgabe: Bei aller Unterschiedlichkeit der Perspektiven herrschte Einigkeit: Europas Handlungsfähigkeit entscheidet sich an seinen Beziehungen – zu seinen Nachbarn, zu seinen Partnern und zu sich selbst.

Christian Johann, Direktor der EAB, fügte die Erkenntnisse des Abends in seinem Statement zusammen:

Europa gelingt dort, wo wir uns die Hände reichen – im Süden, im Osten und hier bei uns in Berlin. Spanien zeigt seit vierzig Jahren, wie sehr ein Land Europa stärken kann, wenn es Vertrauen schenkt und Verantwortung übernimmt.

Der Abend war geprägt von einer ausgewogenen und offenen Debatte, die zeigte, wie viel Potenzial die Partnerschaft zwischen Spanien und Deutschland für die europäische Zukunftspolitik birgt. Die Beiträge der Panelistinnen und Panelisten waren eine echte Bereicherung – fachlich, politisch und menschlich.

Ein feierlicher Ausklang

Der Empfang durch den Botschafter bildete den krönenden Abschluss eines Abends, der eindrücklich bewies, wie wichtig Räume für europäische Begegnung sind. Und wie viel Kraft aus dem Dialog entsteht, wenn zwei europäische Schwergewichte gemeinsam nach vorn schauen.