Deutsch-Marokkanische Akademie für Gute Regierungsführung

Mehr Mitbestimmung, mehr Gewaltenteilung, mehr Partizipation –  mit diesen Zielen hat sich Marokko vor einigen Jahren auf den Weg tiefgreifender politischer Reformen gemacht. 2011 nahm die Bevölkerung per Referendum eine neue Verfassung an: Seither können sich die Marokkaner*innen nicht nur auf einen verbrieften Grundrechtskatalog berufen. Neu ist auch, dass die Regierung die politischen Mehrheitsverhältnisse im Parlament deutlich stärker widerspiegelt als zuvor. Die schrittweise Demokratisierung wird „von oben“ nicht nur geduldet, sondern sogar aktiv vorangetrieben: Auch König Mohammed VI hat mit der neuen Verfassung gewisse Einschränkungen seiner persönlichen Machtbefugnisse hingenommen. Die Bundesregierung unterstützt diesen Demokratisierungsprozess durch ein Kooperationsprojekt zwischen der Bundesrepublik Deutschland mit dem Königreich Marokko –  und hat die Europäische Akademie Berlin 2015 deshalb beauftragt, marokkanische Beamt*innen, Angestellte und Vertreter*innen aus Ministerien, Behörden und Ämtern regelmäßig in einer Deutsch-Marokkanischen Akademie für Gute Regierungsführung weiterzubilden.

„Gute Regierungsführung“ – der vom englischen „Good governance“ übernommene Fachbegriff bedeutet nichts anderes, als dass der Staat in seinem Handeln den Bürger*innen gegenüber bestimmte Grundprinzipien einhält. Aber was genau macht „gutes“ staatliches Handeln aus? Wie können Bürger*innen effektiv in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden? Welche Mechanismen können Korruption vorbeugen? Wie kann Verwaltungshandeln transparent und bürger*innennah gestaltet werden? Welche Rolle kann die Digitalisierung in diesem Kontext spielen? Welche Chancen bietet eine Dezentralisierung und was für Potenziale können sich aus Public Private Partnership (PPP) ergeben? Über diese und ähnliche Fragen haben die 210 Teilnehmer*innen, die die Akademie für Gute Regierungsführung mittlerweile besucht haben, immer wieder aufs Neue intensiv diskutiert. Denn natürlich ist es nicht schwer, „Gute Regierungsführung“ in der Theorie nachzuvollziehen. Doch lassen sich die Prinzipien, die in Deutschland manchmal mehr, manchmal weniger umgesetzt werden, tatsächlich auch auf ein nordafrikanisches Land im Reformprozess übertragen?

Das Programm der Akademie orientiert sich deshalb eng an den tatsächlichen Gegebenheiten und Bedürfnissen in Marokko. Es zeichnet sich aus durch Methodenvielfalt, Praxisnähe und einen Dialog auf Augenhöhe. Dabei stehen auch Exkursionen in andere deutsche Städte auf dem Programm, damit die Teilnehmer*innen erleben, dass Dezentralisierung und Föderalismus mehr bedeutet als politische Direktiven „von oben nach unten“ weiterzugeben. Die Teilnehmer*innen lernen Best Practice Beispiele der deutschen Verwaltung kennen, kommen ins Gespräch mit Entscheidungsträger*innen und Verwaltungsangestellten und werden angeregt, Gelerntes auf den marokkanischen Kontext zu übertragen. Denn es geht nicht darum, Erfahrungen eins zu eins zu übernehmen, sondern Inspirationen für das eigene Arbeitsfeld zu erhalten und als Multiplikator*in weiterzugeben. Und so hofft Dr. Andrea Despot, Leiterin der Europäischen Akademie Berlin, dass „die auf den jeweiligen Bedarf ausgerichteten Lehrgänge die marokkanischen Beamt*innen in ihrer Arbeit unterstützen und damit den Reformprozess in Marokko in Richtung Demokratisierung, gesamtgesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlichem Aufschwung befördern“.

 

Ansprechpartnerin

Ute Böhr

Ute Böhr

Senior Project Manager

14. November 2018 , 18:00 – 21:30 Uhr

Ein Königreich für ein Zuhaus?! Marokko, Europa und die Migration

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Diskussionsveranstaltung, Projektreihe: Akademie für Gute Regierungsführung

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